KI für Google Ads: Reichen ChatGPT, Claude oder Gemini wirklich?
Was KI bei Google Ads tatsächlich leisten kann
Kunden fragen mich inzwischen regelmäßig, ob ChatGPT, Claude oder Gemini für eine Google-Ads-Kampagne ausreichen. Für erste Textideen lautet meine Antwort: ja. Für eine fertige Kampagne reicht der rohe Output selten.
Ein KI-Tool reagiert schnell auf ein kurzes Briefing. Sie nennen Marke, Angebot, Zielgruppe und Region. Wenige Sekunden später stehen erste Headlines auf dem Bildschirm.
Beispiel für eine Steuerkanzlei:
- Steuerberatung für Selbstständige
- Spezialisiert auf Ärzte und Praxen
- Kanzlei für Unternehmensnachfolge in München
Damit ist noch keine Anzeige fertig. Die Vorschläge helfen aber, ein leeres Blatt zu überwinden und unterschiedliche Richtungen auszuprobieren.
Tonalität vergleichen
Dasselbe Angebot kann sachlich, direkt oder stärker auf die Region bezogen formuliert werden. KI zeigt solche Varianten schnell nebeneinander. Das ist nützlich, denn eine Kanzlei braucht eine andere Sprache als ein Restaurant oder ein Pflegedienst. Welche Tonalität glaubwürdig ist, ergibt sich allerdings aus dem Betrieb und seiner Zielgruppe.
Ein Briefing vorbereiten
Auch bei der ersten Recherche können die Modelle helfen. Eine Frage wie „Welche Themen beschäftigen Mandanten einer Arbeitsrechtskanzlei?“ liefert mögliche Ansatzpunkte. Jeder davon muss anschließend geprüft werden. Das Modell kennt weder das konkrete Angebot noch die tatsächlichen Erfahrungen der Kunden, solange diese Informationen im Briefing fehlen.
KI beschleunigt damit den Anfang. Die fachliche Arbeit beginnt an dieser Stelle erst.

Woran roher KI-Output häufig scheitert
Wenn ich ungeprüfte KI-Texte für Google Ads sehe, fallen meist dieselben handwerklichen Probleme auf. Das verwendete Modell spielt dabei eine kleinere Rolle, als viele vermuten.
Die Zeichenlänge stimmt nicht zuverlässig
Bei Responsive Search Ads darf eine Headline höchstens 30 Zeichen lang sein. Ein Modell kann diese Vorgabe im Prompt erhalten und trotzdem falsch zählen.
Beispiel:
„Steuerberater München günstig & professionell“ (zu lang)
„Ihre Steuerkanzlei in München“ (passt)
„Steuerberater München mit Erfahrung“ (zu lang)
„Professionelle Steuerberatung“ (passt)
Das lässt sich technisch leicht prüfen. Die anschließende Korrektur braucht mehr Sorgfalt. Beim Kürzen kann genau die Information verschwinden, die eine Headline brauchbar gemacht hat.
Fünf Varianten, eine Aussage
Ein Modell verändert einige Wörter und erzeugt auf diese Weise scheinbar neue Headlines:
Erfahrene Steuerberatung München
Steuerberater mit Erfahrung in München
Professionelle Steuerberatung in München
Münchner Steuerkanzlei mit Expertise
Steuerberater in München mit Know-how
Für eine Responsive Search Ad ist das zu wenig Vielfalt. Ein gutes Set kann verschiedene Aufgaben übernehmen. Eine Headline nennt das konkrete Angebot, eine andere die Region. Weitere Texte greifen Spezialisierung oder eine nachvollziehbare Handlungsaufforderung auf. Wiederholungen verbrauchen lediglich die verfügbaren Plätze.
Der Text könnte zu jedem Wettbewerber passen
Professionelle Steuerberatung für Privatkunden
Der Satz ist sprachlich korrekt. Über die Kanzlei sagt er fast nichts. Konkreter wären je nach tatsächlichem Angebot zum Beispiel:
- Steuererklärung für Selbstständige
- Online-Steuerhilfe zum Festpreis
- Buchhaltung ohne Papierchaos
Solche Aussagen darf eine KI nur verwenden, wenn das Briefing sie belegt. Fehlt die Information, entstehen schnell erfundene Leistungen oder austauschbare Floskeln.
Eine Anzeige besteht aus mehr als Headlines
Zum vollständigen Aufbau gehören auch Descriptions, Sitelinks mit passenden Beschreibungen und Display Paths. Viele Prompts fragen nur nach Headlines. Das Modell liefert dann genau diesen Ausschnitt.
Display Paths wie /notdienst/muenchen oder /steuerhilfe/online müssen zum Ziel und zur Kampagne passen. Auch Sitelinks brauchen echte Zielseiten. Ein schön formulierter Link ohne passende Seite hilft nicht.
Die Marke erscheint zu selten oder überall
Bei Brand- und lokalen Kampagnen kann der Markenname in einem Teil der Headlines sinnvoll sein. Andere Plätze werden für Angebot, Nutzen oder Region gebraucht. Ohne klare Vorgabe setzt ein Modell die Marke manchmal in fast jede Variante. In anderen Ausgaben fehlt sie ganz.
Die passende Verteilung entsteht aus der Kampagnenaufgabe. Dafür gibt es keine feste Zahl, die für jedes Konto stimmt.
Dynamische Keyword-Platzhalter brauchen Kontrolle
Fortgeschrittene Setups verwenden gelegentlich Platzhalter wie {KeyWord:Default Text}. Google kann damit unter bestimmten Bedingungen ein Keyword in die Anzeige einsetzen.
Die Syntax allein ist schnell kopiert. Schwieriger ist die Frage, ob das Ergebnis sprachlich passt und für jede mögliche Einblendung seriös bleibt. Wer diese Fälle nicht geprüft hat, sollte den Platzhalter nicht ungeprüft übernehmen.
Die Wirkung im Konto bleibt unbekannt
Ein Sprachmodell kann Texte erzeugen. Es sieht ohne angebundene Kontodaten nicht, welche Suchbegriffe später brauchbare Anfragen ausgelöst haben oder ob die Conversion-Messung zuverlässig arbeitet. Auch ein sprachlich starker Anzeigentext kann Geld kosten, wenn Suchintention, Zielseite oder Tracking nicht passen.
Das ist für mich der wichtigste Punkt. Die Qualität einer Anzeige zeigt sich erst im laufenden Konto.
Welches Modell eignet sich am besten?
ChatGPT, Claude und Gemini setzen Schwerpunkte unterschiedlich. Diese Eindrücke können sich mit neuen Modellversionen verändern:
- ChatGPT (OpenAI) liefert schnell viele Varianten und eignet sich gut für ein erstes Brainstorming. Zeichenlängen und Ausgabeformate müssen kontrolliert werden.
- Claude (Anthropic) verarbeitet ausführliche Briefings oft gut und formuliert häufig natürlich. Auch hier ersetzt ein flüssiger Text keine Anzeigenprüfung.
- Gemini (Google) kann bei Recherche und Themenfindung nützliche Ansätze liefern. Die Nähe zum Anbieter Google macht die Ausgabe nicht automatisch zur verbindlichen Google-Ads-Empfehlung.
Alle drei kennen Ihr Angebot nur aus den Informationen, die Sie eingeben. Sie können Aussagen wiederholen, Zeichen falsch zählen und wichtige Anzeigenelemente auslassen. Was nach der Veröffentlichung im Konto geschieht, erfahren sie ohne zusätzliche Daten ebenfalls nicht.
Ich würde die Modellwahl deshalb nicht an die erste besonders schöne Headline hängen. Wichtiger ist, wer die Ausgabe prüft und später beurteilt, ob die Kampagne passende Kunden erreicht.
Wie viel Arbeit nach dem Prompt noch bleibt
Die folgende Tabelle ist keine minutengenaue Kalkulation. Sie zeigt, welche Aufgaben nach der ersten KI-Ausgabe typischerweise noch anfallen:
| Schritt | Geschätzte Zeit |
|---|---|
| Erste Headlines, Descriptions und Sitelinks mit KI erzeugen | 5 bis 10 Minuten |
| Zeichenlängen prüfen und korrigieren | 15 bis 25 Minuten |
| Doppelte oder sehr ähnliche Aussagen entfernen | 10 bis 20 Minuten |
| Branchenlogik und konkretes Angebot nachschärfen | 20 bis 40 Minuten |
| Sitelinks und Display Paths ergänzen | 10 bis 20 Minuten |
| Kampagne einrichten und Tracking sauber aufsetzen | 30 bis 60 Minuten |
| Laufend prüfen, was wirklich Kunden bringt | fortlaufend |
| Gesamt | mehrere Stunden plus laufende Betreuung |
Die erste Textausgabe dauert wenige Minuten. Der größere Aufwand steckt in Auswahl, technischer Prüfung, Einrichtung und späterer Auswertung.
Was vor der Veröffentlichung geklärt sein muss
- Angebot und Zielgruppe: Welche Leistungen werden wirklich angeboten und welche Kunden sollen erreicht werden?
- Formate: Stimmen Zeichenlängen und Google-Ads-Vorgaben?
- Inhaltliche Verteilung: Übernehmen die Headlines unterschiedliche Aufgaben?
- Erweiterungen: Führen Sitelinks auf passende vorhandene Seiten?
- Messung: Erfassen die Conversion-Aktionen die Ergebnisse, die für den Betrieb zählen?
- Laufende Auswertung: Welche Suchbegriffe führen später zu brauchbaren Kundenkontakten?
KI kann bei mehreren dieser Punkte Vorschläge machen. Die Verantwortung für Richtigkeit und Einsatz bleibt bei dem Menschen, der die Kampagne veröffentlicht.

Wie ich KI im Arbeitsalltag einordne
Ich nutze KI gern für erste Ideen. Vor der Veröffentlichung prüfe ich jede Aussage, die Zeichenlänge und die Rolle des Textes innerhalb der gesamten Anzeige. Danach beginnt der Teil, den ein Chatfenster nicht übernimmt: Kampagne einrichten, Suchanfragen beobachten und die Qualität der Kontakte bewerten.
Wer Google-Ads-Erfahrung und ausreichend Zeit hat, kann mit ChatGPT, Claude oder Gemini viel vorbereiten. Dabei sollte von Anfang an klar sein, dass der erste Output ein Entwurf ist.
Fehlt die Zeit für diese Prüfung, braucht es jemanden, der das Konto über die Texterstellung hinaus betreut. Dazu gehört auch, schwache Suchbegriffe zu erkennen und die Conversion-Messung zu hinterfragen.
Was ich bei einem Konto-Check prüfe
Bei einem kostenlosen Konto-Check sehe ich mir mit einem Nur-Lese-Zugriff an, wie das bestehende Google-Ads-Konto arbeitet. Ich prüfe auffällige Suchbegriffe, die Anzeigenstruktur und die eingerichtete Erfolgsmessung. Im Konto kann ich dabei nichts verändern und kein Budget ausgeben.
Der Bericht trennt erkennbare Fakten von Punkten, die ohne weitere Kundendaten offenbleiben. Wenn ich keinen sinnvollen Handlungsbedarf finde, sage ich Ihnen das ebenfalls.
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Über den Autor: Mike Allert betreut Google-Ads-Konten für hochwertiges Handwerk, beratungsintensive Dienstleister sowie Kanzleien und Praxen. Sein Fokus: sichtbar machen, welche Anzeigen echte Kunden bringen – und welche nur Budget kosten.
Stand: Mai 2026, aktualisiert Juli 2026. KI-Modelle entwickeln sich schnell. Funktionen können sich ändern.